26. April 2026
| Inside ParadeplatzUBS sollte Steuerzahlern für Staatsgarantie dankbar sein
Die UBS und der Lobbyverband Economiesuisse erklären, die Vorschläge des Bundesrates würden die «Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes schwächen».
Marc Chesney: Es ist paradox und deplatziert, dass die Führung einer Grossbank, die über eine Staatsgarantie verfügt, das Argument vorbringt, die Wettbewerbsfähigkeit riskiere geschwächt zu werden. Das ist ein Scheinargument. In der Schweiz ist der Wettbewerb zwischen Banken verzerrt, weil einzelne über eine solche Staatsgarantie verfügen und andere nicht. International ist der Wettbewerb verzerrt je nach der Finanzkraft des Staates, der den betreffenden Banken eine Garantie gewährt.
Weil das BIP der USA rund 30-mal grösser ist als das der Schweiz, wäre eine Bank wie die UBS in den USA ein Aussenseiter. Sie würde sich auf dünnes Eis begeben, wenn sie sich im Investmentbanking wirklich mit den grossen US-Banken messen wollte. Das hat ihr Quasi-Bankrott 2008 augenfällig gezeigt.
Ausserdem fragt man sich, warum Economiesuisse – wenn ihr Ziel wirklich die «Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes» wäre – im Credit-Suisse-Debakel so diskret war. Warum hat dieser Lobbyverband die Missstände und Veruntreuungen dieser Bank vor dem Desaster nicht angeprangert?
UBS und Economiesuisse erklären, die Vorgaben des Bundesrates würden «Kredite zu Lasten der Realwirtschaft verteuern».
Ein schlechter Witz! Warum sollte mehr Eigenkapital weniger oder teurere Kredite bedeuten? Der Kapitalzuwachs kann ganz einfach durch Ausgabe neuer Aktien erfolgen. Wenn das nicht funktioniert, würde es bedeuten, dass die Investoren trotz der Staatsgarantie kein Vertrauen in diese Bank haben. Das wäre ein interessanter Test.
«NZZ»-Redaktor Guido Schätti kritisierte Bundesrätin Keller-Sutter, dass sie von ihrer eigenen Verantwortung beim CS-Debakel ablenken wolle. Vielmehr müsse der Bundesrat der UBS «dankbar für ihre Dienste in der Krise» sein. Mit seinen strengen Vorgaben gefährde er die «Stabilität der Bank».
Die Leitung der UBS sollte vielmehr dem Steuerzahler für die Staatsgarantie dankbar sein!
Über die Vorschläge des Bundesrats muss das Parlament entscheiden. Laut «NZZ» soll das Parlament der UBS erlauben, einen Teil des Eigenkapitals durch Anleihen zu ersetzen, die bei einer Krise in Eigenkapital umgewandelt würden. Wäre das ein problemloses Entgegenkommen?
Ich bin sehr skeptisch. Diese Möglichkeit ist bekannt und wurde bereits erprobt, insbesondere im Fall Credit Suisse, wo es offensichtlich nicht funktioniert hat …
Was halten Sie von der mehr oder weniger expliziten Drohung der Grossbank, den Sitz ins Ausland zu verlegen?
Es gehört zur Taktik der Führung dieser Grossbank, solche Gerüchte zu verbreiten und solche Drohungen auszusprechen, um zu testen, inwieweit die schweizerische Regierung noch in der Geiselhaft der UBS ist. Ein Sitz in New York würde bedeuten, dass die UBS nicht mehr in der Schweiz «Too Big to Fail» wäre, sondern in den USA.
Nummer eins in der Schweiz hat viele Vorteile. Es ist fraglich, ob eine UBS, die in den USA eine Aussenseiterin ist, im Falle einer akuten Finanzkrise von US-Steuerzahlern gerettet würde. Es fällt in die Verantwortung der UBS-Leitung, solche Risiken realistisch einzuschätzen.
Als Kunde denkt man, dass eine Bank mit einem stärkeren Eigenkapital sicherer und attraktiver ist.
Als Kunde und als Steuerzahler ist mehr Eigenkapital sicher besser. Um selber beispielsweise einen Hypothekarkredit zu erhalten, müssen Kunden einer Bank mindestens 20 bis 25 Prozent des Wertes der Wohnung als Eigenkapital einbringen. Die Lage ist damit stabiler als mit beispielsweise nur 3 bis 4 Prozent, was wahrscheinlich die Grössenordnung der Eigenkapitalquote vieler Grossbanken heute ist.
Für den Steuerzahler, der für die Risiken einer Grossbank wie UBS haftet, ist es sicher besser, wenn diese Bank weniger Risiken eingeht, das heisst über mehr Eigenkapital verfügt.
Noch eine Frage zu den Geschäften der UBS: Die Grossbank investiert in Fonds von unregulierten Schattenbanken. Letztes Jahr verlor die UBS 500 Millionen Dollar, als der mit Schattenbank-Geldern verschuldete US-Autozulieferer First Brand Group pleiteging. Mit wie vielen Milliarden die UBS via Schattenbanken spekuliert, ist nicht bekannt. Sehen Sie Handlungsbedarf?
Und wie! Es ist auch paradox und deplatziert, dass eine Grossbank, die sich auf ihre Aufgabe beruft, Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, so aktiv im Schattenbankensektor und bei «Private Credits» tätig ist.
Dieses Interview erschien zuerst auf Infosperber.ch. Die Fragen stellte Infosperber-Gründer Urs P. Gasche.